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FASSADE

 


VOR DER SANIERUNG

 


EINGANGSTOR

 


BOHLENSTUBE

 


ENTRÈE

 


 
 
HAUS ROSENTHAL IN BAD LANGENSALZA - SICHERUNG EINES FACHWERKHAUSES VON 1515

Bauherr: Stadt Bad Langensalza – Herr Bürgermeister Schönau

aktuelles Projekt

Leistungsphase: 1-8

Vorgeschichte:
Das nach seiner Lage im "Rosenthal" nördlich der inneren Stadtmauer der Stadt Bad Langensalza so genannte "Haus Rosenthal" in der Bergstr. 15 wurde im Jahre 1515 auf dem älterem Erdgeschoss erbaut. Das Gebäude liegt direkt am Südufer eines mit hohen Futtermauern eingefassten Flutgrabens, der bei Hochwasser einen Teil der Wassermengen der Salza aufnahm. Die Haupterschließung erfolgte über eine Brücke von der Bergstraße her, das Gebäude lag ursprünglich auf einer Art sandigen Insel zwischen der Salza und dem "Wilden Graben" und war bis zur Ansiedelung dieses Areals wahrscheinlich das einzige Gebäude zwischen dem ältesten Teil der Stadtmauer und der Salza. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit steilem Satteldach und einer zur Salza hin ausgerichteten steinernen Erdgeschossfassade die gleichzeitig die südliche Futtermauer dieses Flutgrabens darstellt. Nach Osten schließt ein, bis auf die erhaltene Futtermauer, neuerer eigenständiger Baukörper ab, der noch einen von der Bergstr. 15 her begehbaren Tonnengewölbekeller besitzt. Erbaut als Manufakturgebäude des Tuchmacherhandwerkes bestand Haus Rosenthal im Jahr 1515 aus einer großen Durchfahrtsdiele mit steinerner Wasserrinne und zwei beheizbaren Bohlenstuben. Eine Bohlenstube aus dem Jahre 1467, dürfte aus dem Vorgängerbau übernommen worden sein. Die Bohlenstube aus dem Jahre 1515 dürfte als tragende Konstruktion eine Einmaligkeit in ganz Thüringen darstellen. In dieser Bauphase war das Obergeschoss, das wie der Dachboden nur der Warenlagerung diente, noch gänzlich ungeteilt, der mittig durchlaufende Unterzug wird nur durch eine Stütze mit Sattelholz getragen, dieses statische Prinzip zieht sich durch alle Ebenen durch. Die Entwicklung des Gebäudes seit seiner Erbauung bis zu den letzten Maßnahmen um 1912 und 1945 ist fast vollständig ablesbar und macht es damit zu einer unschätzbaren Quelle für die wissenschaftliche Haus- und Gefügeforschung.

Problematik:
Die Statik des Gebäudes war nur noch als labiles Gleichgewicht anzusehen. Die "500 Jahre Garantie" die das wertvolle Fachwerkhaus über die Jahrhunderte gerettet haben waren abgelaufen! Undichte Dacheindeckung und mangelhafte Regenableitung haben der Holzkonstruktion schwer zugesetzt! Es waren umfangreichste Arbeiten am Fachwerk notwendig um das wertvolle Kulturdenkmal zu erhalten. Nach jahrzehntelangem Leerstand hat die Stadt Bad Langensalza das Gebäude im Jahre 2004 erworben.

Zielstellung:
Das statische Gefüge wurde im 1. Bauabschnitt rein zimmermannsmäßig instand gesetzt, ingenieurmäßige Verbindungen kamen grundsätzlich nicht zum Einsatz. Die fehlende Brücke wurde ersetzt. Nach der neuesten Idee der Stadt Bad Langensalza wird das Gebäude in der Zukunft als Apothekenausstellung und als Künstlerbegegnungsstätte genutzt. Modernste Techniken wie Wärmepumpe sollen über Wandflächen- und Fußbodenheizungen den innovativen Anspruch trotz Nutzungsmöglichkeiten in allen Jahreszeiten verdeutlichen. Es wird dabei nicht ein einziger Heizkörper zu sehen sein. Alle Maßnahmen sollen mit historischen Materialien und Techniken (Lehmputze, Kalkfarben) ausgeführt werden, einige Bereiche werden nur restauriert.

Ausführung:
Im Jahre 2005 wurde die Dacheindeckung erneuert. In einem besonderen Brandverfahren hergestellten Biberschwanzziegel ersetzten die abgängigen Fittichziegel. Die zimmermannsmäßige Instandsetzung erfolgte bis zum Sommer 2006 in tradierter Technik. Die Gefache wurden mit Strohlehm auf Flechtwerk wieder geschlossen und mit einem Kalkputz versehen. Der Anstrich auf Kalk- und Ölbasis orientiert sich am historischen Befund. Teile der Dielen mussten aus Sicherheitsgründen durch adäquates Material ersetzt werden (30 cm Breite!) da sie historisch ohne jeden Fehlboden Dach- und Deckenbalken überspannen ! Die erste Bohlenstube ist konstruktiv instand gesetzt, Eichenholzfenster wurden in Handarbeit hergestellt und eingebaut. Weitere restauratorische Maßnahmen der Instandsetzung folgten ab 2009. Alle Fenster wurden restauriert oder rekonstruiert, alle Vorbereitungen für die neu angedachte Nutzung wurden noch in 2009 getroffen um das historische Gebäude ab Herbst 2011 für die infrastrukturellen Belange der Stadt Bad Langensalza nutzen zu können.
Die aufwendigen Restaurierungsarbeiten an den zahllosen Befunden konnten im Jahr 2012 abgeschlossen werden. Die Freifläche als integraler Bestandteil der historischen Apothekenausstellung wird in Kürze realisiert.

     
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