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die bauhütte Bei dem Gebäudekomplex Ochsenbrink
3 in Reileiffzen handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Gesamtensemble
nach NDSchG Paragraph 3, Abs. 2. In dieser Zeitspanne traf das Angebot des Baustoffmarktes das alte
Bauernhaus Eine behutsame Planung denkmalgeschützter Bausubstanz mit ganzheitlichem Anspruch bedingt immer eine etwas umfangreichere Auseinandersetzung mit dem Bestand, der Geschichte, sowie Einordnung vorhandener Strukturen in Typologien.
Geschichtliche und typologische Einordnung - Haupthaus Der Neubau dieses Kötterhofes im Jahre 1755 (nach Inschrift), ein Jahr vor Beginn des 7-jährigen Krieges, fällt in das Ende einer großen, landesweiten, über mehrere Generationen sich erstreckende Erholungs- und Revitalisierungsphase nach dem 30jährigen Krieg, die sich in dieser schwer vom Krieg betroffenen Region u.a. in der Neuansiedlung im Rahmen einer Strukturbelebung dokumentierte. Die in dieser Kulturregion entstandenen geschlossenen Ackerbauerndörfer hatten als Vorbild die dichten Ackerbürgerstädte, vor allem im 18. Jahrhundert begann hier das Klein- und Mittelbauerntum vorherrschend zu werden. Der Bau des ca. 10 m x 11 m messenden Gebäudes Ochsenbrink 3 als Einhaus (alle Funktionen unter einem Dach) in traditioneller Ständerbauweise ist ein typisches Beispiel ländlicher Wohnkultur des 18. Jahrhunderts. Die Charakteristik bäuerlicher Besitzerklassen ohne volle Ackernahrung weist die Kötter (kleinere Stellen; Kotten = kleines Haus, Hütte) als soziale Abstufung zu den Meierhöfen aus. Die Differenzierung in Klein-, Mittel- sowie Großkötter macht die Komplexität sozialer Hierarchien in der Zeit des Absolutismus deutlich. Aufgrund fehlender Archivmaterialien kann eine Einordnung des Erbauers Johann Harm Ohm nur spekulativ erfolgen. Die Abstufung der Kleinkötter in, je nach regionalen Gepflogenheiten, sozial noch niedriger gestellten Hoppenplöckern, Brinksitzern, Strassenköttern oder den fast landlosen Neuanbauern macht die speziellere Einordnung noch schwieriger Die formale Ausprägung des Gebäudes wird durch die einfachsten Verhältnisse seines Erbauers und seiner späteren Besitzer geprägt. Sie ist durchweg schlicht und zweckbestimmt und gibt so ein recht genaues Zeugnis der wirtschaftlichen und sozialen Position, Allein der Torsturz des giebelständigen Gebäudes weist eine relativ gut erhaltene, erhaben herausgearbeitete Inschrift auf, deren Inhalt in dieser Region wohl sehr ungewöhnlich bzw. einmalig ist: ACH GOTT WIE GETH ES NUMEHR ZU DA MICH DIE HASSEN DEN ICH NICHTS TUE DIE MIR NICHTS GÖNNEN UND GEBEN MÜSSEN DOCH LEIDEN DAS ICH LEBE JOHANN HARM OHM AO 1755. Das N ist dabei spiegelverkehrt gehalten. Einzige weitere Elemente, denen eine gewisse schmückende Wirkung zukommt, sind die giebelseitigen Fußbänder im Giebeldreieck, die hier konstruktiv nicht nötig sind. Vorkragungen und weitere Schmuckelemente, die einen Repräsentationswunsch ausdrücken, finden sich nicht. Nur mit rein konstruktiv bedingten Mitteln stellte sich der Kötterhof in der Erbauungszeit mit einem stattlich verhaltenen Ausdruck dar. Auch im Inneren finden sich, außer der originalen Raumdisposition, keine Elemente der Erbauungszeit. Zu groß war hier der Einfluß und die Möglichkeiten späterer Generationen. Während Fachwerkbauten in Stockwerksbauweise alleine durch ihre Konstruktion eine horizontale Akzentuierung erfahren, stellt sich das Haupthaus mit seiner 1755 schon deutlich veralteten Ständerbauweise und seinen über 3 Gefache reichenden Fußstreben eher in der vertikalen Ausrichtung dar. Von der Typologie der Konstruktions- und Nutzungsorganisation handelt es sich beim Gebäude Ochsenbrink 3 um ein niederdeutsches Hallenhaus (reines Durchgangsdeelenhaus ohne Luchten) mit integrierten Wohn-, Stall- & Speicherfunktionen. Errichtet als dreischiffiger Vierständerbau in Unterrähmzimmerung mit ungleich breiten Seitenschiffen läßt sich hier die originale Nutzungsorganisation relativ zweifelsfrei rekonstruieren. Bei diesem asymmetrischen Durchgangsdeelenhaus westfälisch-engerscher Prägung als Weiterentwicklung des Flettdeelenhauses, lag der Wohnteil im breiteren Seitenschiff, während die StäIle im Schmaleren verblieben. Der schwere Unterzugsriegel ("Kuhnackenriegel" für die in gebückter Haltung fressenden Kühe) im Bereich des geplanten Bades läßt die ehemalige Nutzung deutlich ablesen. Im Gegensatz zum fortgeschrittenen Entwicklungsstadium mit abgetrennter Küche im breiteren Seitenschiff steht die in dieser Region noch lange verbreitete Ständerbauweise mit eingezapften und auch auf Riegel gelagerten Deckenbalken. Im Gegensatz zu den im Hamelner Raum deutlich norddeutscher geprägten Flettdeelenhäusern mit Kammerfach handelt es sich hier bei dem Durchgangsdeelenhaus um einen eher städtisch geprägten Typus (Ackerbürgerhaus), der typisch für Altenteiler (Leibzuchten) und Häuser der unteren sozialen Schichten (Brinksitzer, Neuanbauer) und der Kötter in der Oberweserregion ist. Die grundlegende Nutzungorganisation der in Längsrichtung aufeinanderfolgenden 3 Räume wurde im Obergeschoß beibehalten. Das breitere Seitenschiff diente der Wohnnutzung, im schmaleren Teil befanden sich zwei Banserräume sowie eine Knechtekammer Die Richtung der Schmauchspuren im Deelenbereich deuten auf zumindest einen Hinterladerofen im Wohnbereich, die Verrußung nimmt zum Tor hin ab. Eine offene Feuerstelle im Deelenbereich ist nicht nachweisbar und kann aufgrund aller Funktionszusammenhänge (Durchgang und Kuhstall im hinteren Deelenbereich) nur unterhalb der Rauchöffnung des Hinterladerofens angenommen werden. Die in dieser Region üblicherweise im 19. Jahrhundert nachträglich eingebrachten Brandwände in Zusammenhang mit offenem Kamin und Rauchfang fehlen hier völlig. Nach dem freien Rauchabzug durch die Deele wurden 2 Schornsteine aus maschinell hergestellten Reichsformatziegeln errichtet. Die Deele wurde in zwei horizontale Ebenen unterteilt, der Eingang 2 Meter nach innen verlegt und selbst die im 19. Jahrhundert entstandene Abseite zu Wohnzwecken genutzt. Einzig der Dachboden blieb durch die Jahrhunderte hindurch ungeteilt und der alleinigen Speicher- und Lagernutzung vorbehalten. Die Erschließung sämtlicher Räume im Obergeschoß über Leitern aus der Deele (fehlende Riegel und Holznägel) läßt die Ursprünglichkeit von lnnentreppen als unwahrscheinlich erscheinen. Spätere Stiegen (leider bereits vor Jahren entfernt) stellen sich als Zutat des vermutlich 19. Jahrhunderts dar. Ob sich die beiden Kellerräume dem Originalbestand zuordnen lassen (dann allerdings mit ehemals offenliegendem Kellerhals), kann an dieser Stelle nicht abschließend beurteilt werden. - Stallgebäude Die Intensivierung der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert manifestiert sich hier mit einer Symbiose von einer, in dieser Region spät aufkommenden Backsteinarchitektur, gemischt mit traditioneller Fachwerkbauweise. Der Bau dieses Gebäudeteiles fällt vermutlich in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit herrschte durch den Beginn der Industrialisierung auch in dieser Region ein totales Ungleichgewicht von kleinen und kleinsten (Heuerlings) Kotten und deren Bewohnern gegenüber den wirtschaftlich nur auf das Ackerbauerntum fixierten Meierhöfen. Während ein großer Teil der unteren sozialen Schichten seit Anfang des 19. Jh. auch auf dem Land verelendete, scheint sich hier schon der Gewinn der intensivierten Landwirtschaft durchgesetzt zu haben. Mit der, für einen Landstrich, in dem auffallend viele Ziegler lebten, recht spät entwickelten Backsteinarchitektur und den regional typischen Sandsteinplatten als Deckung und Behang, macht das Gebäude einen äußerst massiven Eindruck, der durch die Sichtausfachung im Gefachbereich noch verstärkt wird. - Scheune Der Bau einer Fachwerkscheune etwa um 1930 kann als Spätfolge von Sezession und Landaufteilung gesehen werden (Aufteilung der ehemals gemeinschaftlich genutzten Wiesen, Acker und Forsten). Die vorhandenen Banseräume reichten nicht mehr aus, um die erhöhten Erntebeträge unterzubringen, aus dem vormals kleinen Kötterhof wurde innerhalb von weniger als 200 Jahren ein ausgewachsener Bauernhofbetrieb. Formal paßt sich das Gebäude vor allem dem vorangegangenen Stallanbau an: Fachwerk (jetzt bereits Fichte) und Sichtausfachung aus rotem Backstein. Die Dacheindeckung erfolgte mit roten Tonziegeln (Hohlpfannen), Ortgang und Firstabdeckung erfolgten weiterhin aus Sollingplatten.
Denkmalpflegerische Zielstellung Grundsätzlich leiten sich die denkmalpflegerischen Zielstellungen an die Sanierung aus Paragraph 6, Abs. 1 und 2 des NDSchG ab und beinhalten sowohl das "lnstandhaltungsgebot" als auch das "Beeinträchtigungsverbot". Eine Nutzung, die der Öffentlichkeit einen Zugang zu Baudenkmalen ermöglicht, ist positiv zu bewerten. Um den Erhalt der gewachsenen Hofanlage auf Dauer zu sichern, ist es nötig, eine Nutzung zu finden, die den Charakter und die Größe des Hauses respektiert, um es auf diese Weise zu revitalisieren. Konkret bedeutet dies auf den Grundriß, Konstruktion und die Nutzung des Ochsenbrink 2 bezogen, daß bei der Sanierung bzw. der Umnutzung, alle Maßnahmen, die den Charakter des Gebäudes, seine Konstruktion und Statik verändern, unzulässig sind. Die ursprüngliche Bedeutung des Hauptgebäudes als Wohn-Stall-Speicherhaus sollte ablesbar bleiben. Eingriffe in die Substanz, die für eine Neunutzung eventuell erforderlich sind, müssen auf ein Minimum beschränkt bleiben. Die Entwurfsplanung soll sich also an der vorhandenen Konstruktion orientieren und den Originalbestand an Substanz respektieren. Die Sanierung darf demzufolge keine Gefährdung für dieses Baudenkmal bedeuten; es muß schonend und qualitätsvoll saniert werden, so daß die Glaubwürdigkeit der Denkmalaussage nicht in Frage gestellt wird. Die Bedeutung dieses Hofkomplexes als Kulturdenkmal ergibt sich aus geschichtlichen, volkskundlichen, wissenschaftlichen und städtebaulichen Aspekten. Die Entwicklung der gesamten Weserregion ist eng mit dem Wesen des Kleinbauerntums verbunden, das Gebäude ist in seiner gesamten Entwicklung dafür ein typisches, der Zeit entsprechendes Zeugnis und dokumentiert einen wesentlichen Teil der regionalen Geschichte. Das Gebäude trägt zum tieferen Verständnis der Epoche in der Zeit des Absolutismus bei und vermittelt Wissen von früheren Lebensumständen. Der Bau des Haupthauses fällt in die Zeit einer in dieser Region sehr lange andauernden Revitalisierungsphase nach dem 30-jährigen Krieg und spiegelt eben diese Strukturbelebung wieder. In wissenschaftlicher und geschichtlicher Hinsicht zählt, daß das Gebäude im Kern und seinen Funktionsabläufen weitgehend erhalten ist und seine wirtschaftliche und soziale Bedeutung als Zeugnis sich entwickelnder Landwirtschaft weiterhin ablesbar ist. Das Gebäude ist Abbild durch den Umgang und die Erfahrung mit Baustoffen und ihren physikalischen Eigenschaften. Rückschlüsse auf die handwerklichen Fähigkeiten und den technischen Stand unserer Vorfahren werden dadurch möglich. Eine weitestgehende Erhaltung der Gefache sollte unbedingt angestrebt werden, sie bilden historisch, konstruktiv und bauphysikalisch eine Einheit mit dem tragenden Fachwerkgefüge. Die Fachwerkkonstruktion darf nur zimmermannsmäßig instandgesetzt werden (keine Winkel im Taupunktbereich !). Bei eventuellen Wärmedämmaßnahmen muß beachtet werden, daß hierdurch eine Schädigung des Baubestandes eintreten kann. Anstrichsysteme, Mörtel und Ausfachungsmaterialien müssen sorgsam gewählt, ihre bauphysikalischen Wirkungsweisen auch untereinander berücksichtigt werden. Auf Diffusionsfähigkeit und kapillaren Feuchtetransport muß unbedingt geachtet werden. Gegebenenfalls sind Berechnungen anzustellen, die aber keinesfalls auf Dampfsperren aufbauen dürfen, diese sollten in historischen Gebäuden nicht zur Verwendung kommen. Bauhistorisch wertvolle Details wie der Sandsteinplattenbelag der Deele sind zu erhalten und (evtl. mit neuem Unterbau) in die zukünftige Nutzung mit einzubeziehen. Neu angeordnete Trennwände (Fachwerk oder leichte Trennwände) sollten dem historischen Kontext entsprechend gestaltet und möglichst reversibel sein. Bei der Installation von Bädern sollte der Eingriff so gering wie möglich gehalten werden, dies betrifft insbesondere eventuelle (nach Möglichkeit zu vermeidende) Stemmarbeiten und Deckendurchbrüche sowie nicht reversible Bodenaufbauten (Estriche). In Feuchträumen sollte unbedingt auf die Beibehaltung sorptionsfähiger Materialien geachtet werden, Wandfliesen sollten in Form von Fliesenspiegeln zum Einsatz kommen und auf Außenwänden ganz vermieden werden. Die in Längsrichtung vorhandene 3-Schiffigkeit plus Abseite muß erhalten bleiben und Ausgangspunkt der Planung sein, um die historischen Funktionsabläufe weiterhin erkennen zu lassen. Die Außenanlagen sind entsprechend dem historischen Kontext zu gestalten und sollten in die Nutzung einbezogen werden, keinesfalls dürfen sie in Widerspruch zu dem bäuerlichen Ensemble stehen.
Konzeptlösung - Funktionale Lösung Der Bauherr plante den Umbau und die Sanierung des ehemals bäuerlichen Anwesens zu einem Wohnhaus mit Cafe, in dem Wohnbereich soll ebenfalls eine Möglichkeit zum Abhalten von Seminaren und Workshops gegeben sein. Die gesamte Planung sollte der zuvor aufgestellten Zielstellung entsprechen, der Eingriff in die Substanz sollte minimiert werden, um den Charakter der Anlage nicht zu beeinträchtigen. Die gesamte Sanierungsmaßnahme hatte unter denkmalpflegerischen, konstruktiven, ökonomischen und ökologischen Aspekten zu erfolgen. Als Ziel wurde die größtmögliche historische Authentizität sowie das Erreichen eines guten Wohnniveaus und hoher Funktionalität gestellt. Um einen Erhalt auf Dauer zu gewährleisten, ist auch dieses Baudenkmal auf ökonomische Tragfähigkeit angewiesen. Um den finanziellen Rahmen der Sanierung in Grenzen zu halten, soll auch zweitverwendetes Material zum Einsatz kommen, eine Lösung, die der Denkmalpflege, der Konstruktion, dem Charakter und dem Geldbeutel des Bauherrn zugute kommt. Grundsätzlich aber gilt für die Sanierung: Reparieren steht vor Ersetzen! Nach eingehender Analyse des Baubestandes, dem Rückbau von Reparaturversuchen "erfahrener Sanierungsspezialisten" stellte sich nach phasenweisen Herausarbeiten folgende Funktionslösung dar: Haupthaus Im Erd- und Obergeschoß sollte der ursprüngliche Grundrißgedanke wieder erlebbar gemacht werden. Die Dreischiffigkeit in Längs- und Querrichtung blieb erhalten, ohne auf Funktionalität verzichten zu müssen. Die Beibehaltung und Wiederherstellung sämtlicher Fachwerkkonstruktionen besonders im Deelenbereich zeigt die ehemalige Nutzung als Kübbung, Eingang oder geschlossenem Gefach deutlich an. Ein Grundofen sollte auch den Deelenbereich zu einem möglichst angenehmen Aufenthaltsort werden lassen. Eine Lösung, die möglichst wenig Eingriffe erfordert, stellt sich auch nutzungstechnisch am flexibelsten dar. Eine reine Wohnnutzung ist hier genauso denkbar wie das Abhalten von Seminaren und Workshops mit Übernachtungsmöglichkeiten. Die Keller dienen weiterhin der Vorratshaltung, ein Verzicht auf erdseits angebrachte Abdichtungen oder Betone macht aus den Räumen einen (vor allem im Sommer) äußerst wirtschaftlichen Klimapuffer. Im ehemals zur Unterbringung schweren Getreidegutes genutzten Dachbodenbereich wirken nur die schweren Eichenstiele des stehenden Stuhles raumteilend, Eingriffe erfolgen nicht. Stallgebäude Während sich das Obergeschoß in seiner Substanz und Grundrißdisposition unverändert dem Cafebesucher darstellen soll, ist in dem alten Stallungsbereich im Erdgeschoß die Unterbringung der gesamten Infrastruktur angedacht. WC‘s für Damen, Herren und Personal, eine ca. 16 qm große Küche mit anliegendem Hauswirtschaftsraum und ein möglicher Versammlungsraum mit eigener Teeküche sollen Funktionalität und Flexibilität (auch denkbar für Cafebesucher, kleinere Veranstaltungen oder auch für Seminare) auf einen langen Zeitraum sichern. Die von einer Galerie erreichbare Wohnung im Dachgeschoß (evtl. Verwalter, Hausmeister) bietet einen großen, dreiseitig belichteten Raum für Wohnen, Essen und Kochen, Schlafzimmer und kleines Gäste- oder Kinderzimmer, Bad und Gäste WC sowie großzügigen Garderobe/Flurbereich. Scheune Die Scheune soll weiterhin der ausschließlichen Lagerhaltung sowie der geschützten Anlieferung für das Cafe vorbehalten bleiben.
- Konstruktive Lösung Baukörper und Konstruktion Die Dimensionen des Baukörpers identifizieren sich mit der historischen Lösung, Veränderungen wurden nicht geplant. Grundsätzlich wurden die ursprünglichen konstruktiven Verhältnisse erhalten bzw. großteils wiederhergestellt. Das Fachwerk wird nur zimmermannsmäßig instandgesetzt, es finden sich keine Systemschäden, sondern nur lokale Defekte, die zum überwiegenden Teil aus Feuchtigkeitseinwirkung entstanden sind. Es soll versucht werden, gesundes, trockenes an den Sichtflächen nachgebeiltes Altholz gleichen Materials zu verwenden. Es kommen keine Stahlverbindungen zum Einsatz, die Reparatur folgt traditionellen Handwerkstechniken. Die originalen Ausfachungen sollen, soweit möglich, erhalten bleiben, sie bilden eine konstruktive und bauphysikalische Einheit mit der tragenden Holzkonstruktion. Angedacht ist eine 15 cm starke wärmedämmende lnnenschale aus Strohleichtlehm (im Cafe: mineralischer (Blähton-) Leichtlehm. Zu ersetzende Gefache werden mit wiederverwendeten niedrig gebrannten Ziegeln in RF ausgemauert. Um größtmögliche Flexibilität der Gefache zu erreichen, wird mit Lehmmörtel vermauert. Bauphysikalische Berechnungen nach dem Glaser Verfahren der DIN 4108 ergaben einen K-Wert von 1.0 ohne Tauwasseranfall selbst nach den (unrealistischen) arktischen Bedingungen der 4108, ohne auf (theoretisch) dampfbremsende Materialien zurückgreifen zu müssen. Rechnerisch wurde hier nicht einmal die kapillare Leitfähigkeit des Lehmes sowie die hohe Sorptionsfähigkeit berücksichtigt. Im sanierten Haupthaus wurde ein recht unkonventioneller Aufbau gewählt: • 10 cm Kiesschicht Dieser diffusionsoffene, aber kapillarbrechende Fußbodenaufbau hat den Vorteil, bei aufsteigender Feuchtigkeit nicht die Sockelbereiche mit den originalen Schwellen ohne Trennlage partiell zu belasten. Es wurde nach dem Sanierungsgrundsatz verfahren: Entweder alles sperren oder gar nichts! Andreas Formann, Architekt, 1997 |
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• Die direkte Förderung durch Zuschüsse der öffentlichen
Hände bis zu 30% (Denkmale in geschlossenen Sanierungsgebieten) Die Praxis zeigt, daß die steuerlichen Erleichterungen inzwischen zu den ganz wesentlichen Förderinstrumenten bei der Erhaltung unseres baulichen Erbes gehören. Hierbei geht es nicht um die vieldiskutierten "Steuerschlupflöcher", denn die Denkmalerhaltung ist Kulturarbeit. Selbstverständlich spielen auch bei Baudenkmalen wirtschaftliche Aspekte eine entscheidende Rolle. Die Bürger, die in ein Baudenkmal investieren, müssen auch erfahren, daß ihnen die Gemeinschaft diese Leistung in Form von Steuererleichterungen honoriert und als Beitrag zu unserer kulturellen Identität anerkennt. Konflikte zwischen Bauherrn und Denkmalpflege entstehen aber immer da, wo zerstörerische Nutzungen wie großflächige Bürobauten, Kettenläden oder Warenhäuser in bislang unberührte Altstadtquartiere drängen oder einfach nur durch unpassende Nutzungsvorstellungen kulturhistorisch wertvolle Baudenkmale meist auch noch teuer zugrunde gerichtet werden, bzw. durch unwirtschaftliche weil überteuerte Sanierungen dem Bauherrn der Kulturgedanke verständlicherweise abhanden kommt.
An dieser Stelle versuchen wir eine Brücke zu bauen: Als vermittelnde Architekten machen wir
uns zum Interessen- Das Berufsbild des Architekten hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Übernehmen heute "Generalunternehmer" schon bei Einfamilienhäusern und erst recht bei Großbauten vielerlei Aufgaben, die früher den Planern vorbehalten waren, so haben wir unsere Vorliebe, aber auch unsere Erfahrung schon früh in der bei vielen eher unbeliebten Nische der Denkmalsanierung eingebracht. Grundsätzlich müssen denkmalgerechte Methoden und Materialien nicht zu einer Verteuerung der Baukosten führen. Teilweise sind durch unkonventionelle Methoden und auf den Bestand ausgerichtete Materialien sogar erhebliche Kosten einzusparen. Das Denkmal besitzt naturgemäß eigene Beschränkungen, aber vor allem auch nicht reproduzierbare Qualitäten. Hier ist mit Lösungen "von der Stange" nichts zu machen, deshalb scheitern auch viele selbsternannte "Sanierungsspezialisten". Jedes Denkmal muß individuell im Bestand aufgenommen, analysiert und mit einem verträglichen Nutzungskonzept versehen werden. Einfache und logische Lösungen wählen, das Besondere eines jeden Gebäudes herausarbeiten und durch Individualität überzeugen - das sind Möglichkeiten, überkommene Bausubstanz sensibel wiederherzurichten und im harten Wettbewerb um künftige Mieter die besseren Argumente zu haben. Selbst im Kaufzustand ruinöse Denkmalobjekte werden von uns dabei substanzschonend und kostengünstig saniert. Mit Kosten von 1800 bis 2800 DM/ m² Wohnfläche (oder Nutzfläche) liegen wir deutlich unter dem Kostenniveau von neuen Wohnbauten mit entsprechendem Qualitätsstandard.
Fallbeispiel Einzeldenkmal Kaufsumme 130.000,00 DM Sanierungskosten bei 600 m² Wohnfläche x 2.500 DM 1.500.000,00 DM abzüglich Fördermittel aus Städtebauförderung - 300.000,00 DM ___________________________________________________________________ Zwischensumme 1 330.000,00 DM davon abschreibungsfähig 1.200.000,00 DM Gerade beim großen Wohnraumangebot herrscht nach wie vor eine hohe Nachfrage nach preisgünstigen und hochwertig sanierten Wohnungen. Notdürftig sanierte "Rigipsbunker" und billige Plattenbauwohnungen stellen hierbei durchaus gerngesehene Konkurrenz dar !!
• Wir kennen und suchen preisgünstige Objekte in der von
Ihnen gewünschten Größenordnung. Diese Gebäude
befinden sich in ausgewiesenen Sanierungsgebieten mit bis zu
25% Fördermöglichkeit durch Mittel der Städtebauförderprogramme,
Landesdenkmalämter und Denkmalschutzstiftungen.
Wir bieten Ihnen eine Komplettbetreuung bei der Sanierung des von Ihnen gewählten Objektes an und können Ihren eigenen Arbeitsaufwand auf ein Minimum reduzieren. |
| Kostenbewußte Denkmalpflege |
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die bauhütte
Kolloquium „Kostenbewußte Denkmalpflege“ Referent: Dipl. Ing. Architekt Andreas Formann Sehr geehrte Damen und Herren, das Thema dieses Referates lautet „Kostenersparnis durch Bestandserhalt“,
genauso gut hätten wir es aber auch „über die Risikobereitschaft
von Normen abzuweichen“ betiteln oder aber den Umkehrschluss anwenden
können: „ Hohe Kosten als Indiz für umfangreiche Substanzzerstörungen“.
· Veränderungen im Grundrissgefüge werden auf ein
Minimum reduziert Mit Lösungen von der Stange ist dabei nichts zu machen. Und noch
einen Grundsatz sollte jeder an der Sanierung historischer Bausubstanz
Beteiligte beherzigen: Wirtschaftlichkeit als Alltagsfall, auch ein schönes Referatsthema! Wie kann diese wirtschaftliche Vorgehensweise aber in der praktizierten Denkmalpflege im Einzelnen aussehen ? Getreu nach Seneca „Lang ist der Weg durch Lehren, kurz und erfolgreich durch Beispiele“ möchte ich Ihnen einzelne Aspekte näher erläutern: Zunächst einmal sollten also vorhandene Raumdimensionen respektiert
werden und als Grundlage einer neuen Nutzung dienen. Auch dies bedingt schon die Anpassung der Planungsvorbereitung. Die
Ausschreibung am Baudenkmal unterscheidet sich grundlegend vom Planungsalltag
am Neubau. Die uns zur Verfügung stehenden Ausschreibungstexte
müssen permanent und Objekt für Objekt verändert, angepasst
oder vollkommen neu angefertigt werden. Nur dann sind erfolgversprechende
Angebote zu erwarten und Missverständnisse mit ausführenden
Betrieben können im Vorfeld ausgeräumt werden. Meine Damen und Herren, ich möchte Ihnen nun die ganz egoistischen
Gründe darlegen, warum uns an der Aufhebung des Vorurteils von
zwangsläufig erhöhten Finanzierungskosten bei der Sanierung
denkmalgeschützter Bausubstanz und an dem vollkommen unsinnigen
Argument, daß Denkmalpflege ein Investitionshemmnis sei, gelegen
ist. An dieser Stelle nun also ein paar Worte zu den Bauherrn, den wir
genauso sensibel behandeln und pflegen sollten wie die Gebäude. Niemand darf dabei die Rechnung ohne dem Wirt, in diesem Fall dem Mieter machen. Aber auch hier können wir aus unserer Erfahrung nur Positives berichten. Während überall über Leerstand geklagt wird, ist das Leben im Denkmalobjekt wieder gefragt. Ich meine hier nicht den „auf Neu“ gemachten Rigipsbunker, sondern die Beispiele, in denen die Gebäude und jeder einzelne Raum Unikate sind, die trotz all ihrer anscheinenden Beschränkungen vor allem ihre ureigenen (nicht reproduzierbaren) Qualitäten in den Vordergrund stellen. Es ist auch keine Zauberei, sondern das Wissen um historische Konstruktionen
und die Möglichkeiten und Bedingungen unserer Vorfahren. Jedes
historische Gebäude ist anders, selbst bei gleichen Typologien.
Einfache und logische Lösungen zu wählen, das Besondere eines
jeden Gebäudes herausarbeiten und durch Individualität zu
überzeugen, das sind zusammengefasst die Möglichkeiten, überkommene
Bausubstanz sensibel und kostengünstig wiederherzurichten und unter
den Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts zu nutzen. Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit. |
| Stadtsanierung Mühlhausen | ||
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Denkmalpflege als Chance - Erfahrungen in einer europäischen Modellstadt Muß Denkmalschutz wirklich als Last begriffen werden, oder bietet dieser nicht auch vielmehr Chancen ? Diese Frage mag sich zwar bei den meisten Mitgliedern im IGB erübrigen, stellt sich aber bei täglicher Arbeit im sensiblen Denkmalbereich immer wieder. Seit 1993 arbeite ich als Architekt in Mühlhausen und beschäftige mich damit fast ausschließlich mit dem Erhalt historischer Bausubstanz. Die Stadt Mühlhausen in Thüringen ist Bestandteil der Deutschen Fachwerk Straße und gehörte bis vor wenigen Jahren in ein 16 deutsche Städte umfassendes Modellstadtprogramm. Die mit 2,7 Kilometern Stadtmauer umschlossene mittelalterliche Innenstadt steht unter Denkmalschutz und gilt als Sanierungsgebiet mit Altstadtsatzung. Im Jahre 1991 wurde die Stadt in das Bundesprogramm für die modellhafte Sanierung der Altstadt aufgenommen. Im Rahmen des städtebaulichen Denkmalschutzes bestehen Fördermöglichkeiten bis zu ca. 30 % der unrentierlichen Kosten, weiterhin bleibt § 7i EStG mit der Möglichkeit der 100 %igen Abschreibung über 10 Jahre in Kraft. Diese Möglichkeiten machten es bisher auch für Kapitalanleger (nicht für Spekulanten !) interessant, in denkmalgeschützte Bausubstanz zu investieren. Im Gegenteil: Ohne erhöhte Abschreibungsmöglichkeiten und ohne Förderungen aus Städtebauprogrammen sind bei erzielbaren Mieteinnahmen von 8 bis 12 DM wirtschaftlich tragfähige Sanierungsziele und damit Investitionen äußerst unwahrscheinlich. Zum Aufbau einer intakten Infrastruktur reicht aber die wirtschaftliche Kapazität der ansässigen Bevölkerung allein nicht aus, zu tief war der wirtschaftliche und soziale Umbruch nach der Wende. Bei allem Vorbehalt: Die "Besserverdienenden" bei denkmalpflegerischen Zielvorstellungen auch als mögliche Partner zu sehen, erscheint mir sinnvoll und nötig. Und darum geht es: Wollen wir glaubhaft erscheinen und kulturelles Erbe auf lange Sicht erhalten steht der Erhalt des Denkmals in größtmöglicher historischer Authentizität im Vordergrund, der Nutzer sollte sich den gegebenen Möglichkeiten anpassen. Bauherrn vom historischen Wert ihres Eigentums, von der überzeugenden
Einfachheit und Haltbarkeit historischer Baumaterialien zu überzeugen
und vielleicht sogar zu begeistern, sollte bei uns Planern zur innersten
Überzeugung gehören oder zumindest reifen. Zur Stadt Im Jahre 967 wird Mühlhausen erstmals in einer Urkunde Otto II.
als Pfalzort erwähnt. Durch die günstige Lage am Schnittpunkt
wichtiger Straßenverbindungen und an einer Unstrutfurt blühte
der Ort auf und nahm schon im 12. Jh. städtischen Charakter an.
Durch mehrere Königsaufenthalte und der Wahl Philipps von Schwaben
zum deutschen König zeigte sich die Bedeutung Mühlhausens.
Durch die Zerstörung der Pfalzburg durch die Bürger Mühlhausens
im Jahre 1256 folgte die städtische Selbstverwaltung. Als freie
Reichsstadt gehörte Mühlhausen zu den großen deutschen
Städten im Mittelalter, deren damaliger Reichtum sich noch heute
im überkommenen Bestand von 13 mittelalterlichen Kirchen, dem historischen
Rathaus und einer 2700 m erhaltenen Stadtmauer manifestiert. Bedingt
durch den radikalen Reformer Thomas Müntzer geriet Mühlhausen
im 16. Jh. in den Mittelpunkt des deutschen Bauernkrieges, konnte aber
trotz aller Bedrängnis die Reichsfreiheit erhalten. Durch das Wirken
Johann Sebastian Bachs an der Divi-Blasii-Kirche ist der Ort vielleicht
dem einen oder anderen Freund der klassischen Kirchenmusik bekannt.
Erst 1802 verlor Mühlhausen seine Reichsfreiheit und wurde preußische
Kreisstadt. Durch die weitgehende Verschonung von Zerstörungen
im 2. Weltkrieg ist auch Mühlhausen ein erhaltenes Spiegelbild
unterschiedlichster Epochen und der technischen und künstlerischen
Fähigkeiten unserer Vorfahren. In der formalen Ausprägung
der Bauweisen stellt sich Mühlhausen als Bindeglied verschiedener
Kulturströme dar, vor allem des niederdeutschen und des hessischen.
Seit der Mitte des 17. Jh. nimmt der starke niederdeutsche Einfluß
ab, dafür verstärkt sich der mitteldeutsche. Fallbeispiel Felchtaer Straße 28 Auch bei Kulturdenkmalen ist für eine "Erhaltung auf Dauer" eine sinnvolle Nutzung unerläßlich. Der Gebäudekomplex in der Felchtaer Str. 28 aus sich überlagernden Stilepochen (Mittelalter bis zur Gründerzeit) stand seit vielen Jahren leer, als der Bauherr ihn Anfang der Neunziger Jahre käuflich erwarb. Verwahrlost bis ruinös, das war der Zustand der Gebäude im Jahre 1993. Das Renaissancegebäude mit seinen geschweiften und genasten Andreaskreuzen von 1609(d) drohte in Teilbereichen einzustürzen und mußte notgesichert werden. Oft schlägt die unendliche Fülle des Angebotes vom Baustoffmarkt bei historischen Gebäuden mit seiner ganzen Macht zu, hier hatten wir Glück. Originale Raumdispositionen im Gründerzeit- und im Renaissancegebäude sowie jede Menge kostbarer und unverbauter historischer Details. Hier fragt jeder Bauherr nach den Kosten ! Fachgerechte Denkmalpflege und Ökonomie - wie paßt das zusammen ? Und es geht doch !! Wir hielten uns systematisch und ganzheitlich an eine Vorgehenweise auf wissenschaftlicher Grundlage. In Anlehnung an den ärztlichen Behandlungskanon wurde in der Reihenfolge von Anamnese, Diagnose und Therapie gearbeitet. Restauratorische Bestandsaufnahmen und die Geschichte der Gebäude, konstruktiver Aufbau und Zustand, vor der Analyse mit anschließendem Sanierungskonzept wurde jede Menge Arbeit geleistet. Die chaotischen statischen Verhältnisse verlangten vom Architekten und Ingenieur eine initiative Erfassung der Kräftewege. Als Ziel sollte das Gebäude "gesunden", aber nicht "geradegerückt" werden. Wir hatten das Glück mit unserem Ingenieur einen Baustatiker auf unserer Seite zu haben, der mit einer Mischung von Erfahrung und Intuition die Probleme erkannte, sie bemaß, aber gleichzeitig die Komplexität des Verhaltens gemischter und gealteter Bauteile als Ganzes erfaßte: ihre innewohnenden Schwächen, doch ebenso ihre viel zu wenig erkannten, in der Zeit bewiesenen Stärken. Es gibt kaum einen Bau, den man aus bautechnischen Gründen abreißen müßte. Nach Untersuchung und Planung war allen Beteiligten im interdisziplinären Team klar, daß hier problembezogen und unkonventionell gebaut werden mußte: · Veränderungen im Grundrißgefüge wurden auf ein Minimum reduziert. · Vorhandene statische Systeme und baupysikalische Gegebenheiten wurden respektiert · Wiederverwendung von Baumaterial in möglichst großem Umfang · Wenige und dem Bestand angepasste Materialien · Grundsatz: Reparatur steht vor Ersatz Um den Denkmalschutzgedanken den Menschen nahezubringen ist die Diskussion über Kosten einfach unerläßlich. Mit angemessenen Baukosten / m2 Wohnfläche kann man auch Zweifler überzeugen. Es ist keine Hexerei sondern das Wissen um historische Konstruktionen und die Möglichkeiten sowie Bedingungen unserer Vorfahren. Jedes historische Gebäude ist anders, selbst bei gleichen Typologien. Einfache und logische Lösungen wählen, das Besondere eines jeden Gebäudes herausarbeiten und durch Individualität überzeugen, sind Möglichkeiten überkommene Bausubstanz sensibel wiederherzurichten und unter den Gegebenheiten des 20. Jahrhunderts zu nutzen. Zusammenfassend bei der Revitalisierung der Felchtaer Str. 28 hieß das: * Aufarbeitung von Tafeldielen im gründerzeitlichen Vorderhaus * Materialen nach Befund: Nur Holz, Lehm und Kalk, 2cm Schilfrohr als Dämmung. * Baustoffrecycling: ca 60 % des benötigten Lehmes kamen aus dem Gebäude. Wiederverwendeter Strohlehm wurde als Deckenfüllungen und bis zum Unterputz eingesetzt. * Wiedervervendung von handgestrichenen Fittichziegeln auf dem 1. Seitengebäude, deren Farbspiel durch moderne Technologien nur schwerlich zu rekonstruieren ist. * Aufarbeitung von Eichenfenstern aus dem 1. Viertel 19. Jahrhundert * Aufarbeitung von barocken Kreuzstockfenstern (nach Außen zu öffnen) * Aufarbeitung von Türen aus Renaissance bis Gründerzeit * Integration eines Renaissancewandschrankes und Wandmalereien in
die neue Nutzung. Historische Gebäude haben fast nie horizontale Sperrungen. Verzicht
auf konventionelle Bodenaufbauten. Prinzip: Entweder alles sperren oder
gar nichts. Kapillarbrechender aber diffusionsoffener Aufbau aus Blähton und Traßkalk in den Erdgeschossen, um das Mauerwerk nicht unnötig zu belasten. * Verzicht auf Dampfsperren und -bremsen. Im Dachgeschoß Einbau von Schafwolldämmung, die bis zu 40% ihres Gewichtes an Feuchte aufnehmen und abgeben kann. * Fliesen auf Holzbalkendecken sind bauphysikalisch und baukonstruktiv problematisch. Günstiger und besser ist hier der Einsatz von Kork. Das Vorderhaus wird inzwischen von der Diakonie als "Betreutes Wohnen" genutzt, in den Seitengebäuden befinden sich unser Architekturbüro sowie Wohnungen.Zusammenfassung: Die in der Sanierung historischer Bausubstanz benötigten
Kenntnisse und Methoden müssen nicht unbedingt teuer und hochtechnisiert
sein, sondern beruhen vor allem auf grundlegenden Erkenntnissen schon
unserer Vorfahren. Erst die Kenntnis dieser alten Bautechnologien
kann die Grundlage dafür sein, den Wissenszuwachs und heutige Technologien
sinnvoll und kostengünstig einzusetzen, um historische Bausubstanz
nicht teuer zugrunde zu sanieren. Dieser Bauherr hat Denkmalpflege als Chance gesehen und einen langfristigen Immobilienwert geschaffen. Das Bauwerk konnte 1996 zum Tag des offenen Denkmals als "Ruine" besichtigt werden. 1997 wurden der interessierten Bevölkerung, unter großer Resonanz, traditionelle Handwerkstechniken und Materialien vorgeführt. Im Jahre 1998 wurde das Gebäude fertiggestellt und diente am Tag
des offenen Denkmals bereits als denkmalgerecht saniertes Anschauungsobjekt. Vorbemerkung Angebot und Nachfrage sowie ein äußerst harter Konkurrenzkampf bestimmen den Markt. Besonders das mittelständische Handwerk hat einen großen Anteil im Bereich der Altbausanierung und der Denkmalpflege. Daß dieser Markt auch lukrativ ist, hat sich herumgesprochen, deshalb gibt es inzwischen auch viele "altbauerfahrene Spezialisten". Die Aufgabe des Architekten kann hier durchaus eine "pädagogisch erzieherische" sein, nämlich die Handwerksbetriebe mit unkonventionellen Methoden und Materialien vertraut zu machen und der "Lösung von der Stange bzw. aus dem Baumarkt" entgegenzuwirken. Spezifische Probleme bedingen spezielle Lösungen, und es ist am Planer, den Bogen zwischen Tradition und Moderne sowie den wissenschaftlichen Forschungen zu schlagen. Die Angaben basieren auf regionalen Ausschreibungsergebnissen vom Mai 1997 sowie Literaturangaben. Putz und Dämmung Reinkalkputz auf Strohlehmuntergrund m² 58.- 2-lagiger Lehmputz mit pflanzlichen Armierungsfasern 2 cm Schilfrohrmatten liefern und anbringen m² 15.- Vorwandschale Gipskarton mit 5 cm Dämmung und Dampfsperre m² 72.- Bemerkung: Lehmputz ist inzwischen absolut konkurrenzfähig im Preisvergleich, bekanntermaßen ist ein homogener Aufbau aus bauphysikalischen Gründen dem Aufbau mit stehender Luftschicht und Dampfsperren immer vorzuziehen (Folgeschäden!). Fußbodenaufbau Wärmedämmender Unterbau aus 15 cm traßkalkgebundenen
Blähtons Konventioneller Aufbau mit Beton auf Kies, schwimmender Estrich mit Bemerkung: Hier ist das Preisgefälle zu Gunsten des "kapillarbrechenden aber diffusionsoffenen" Aufbaues ganz offensichtlich. Die Bauzeit ist deutlich kürzer, der Betrieb kann entsprechend kalkulieren. Dämmung 8-12 cm wärmedämmende Schichten als separate Maßnahme oder in Zusammenhang mit Deckenbekleidungen, incl. notwendiger Vorarbeiten. Mineralfaser m² 28.- Hanfdämmung m² 33.- Zellulose einblasen (Schräge) m² 22.- (plus festem Unterdach) Schafwolldämmung 15cm m² 48.- bis 80.- Bemerkung: Schafwolle kann bis zu 40% ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen ohne an Dämmwirkung zu verlieren, Zellulose, Baumwolle, Hanf und dergl. bis zu 15%, Glas- und Steinwolle 0%. Bei der Mineralwolle sind keinerlei kapillare Strukturen vorhanden, legt sich Feuchte in Form von Wasser um die Faser, ist die Dämmung gleich Null. Hier sind immer Dampfsperren anzuordnen ! Bei den Schafwollherstellern sind noch große Differenzen im Preis und in der Qualität. Malerarbeiten / Anstriche Silikatfarbe m² 18,30.- Mineralfarbe m² 7,20.- Leimfarbe m² 4,90.- Kaseinfarbe m² 11,80.- Weichfaserputz m² 18,90.- Rauhfaser m. Dispersion m² 16.- Bemerkung: Wir wählten Kaseinfarben und Weichfaserputze im Innenbereich. Der Vorteil der diffusionsoffenen Anstriche gegenüber den Kunststoffdispersionsfarben (ob mit oder ohne Lösungsmittel) liegt klar auf der Hand. Fazit: Grundsätzlich müssen denkmalgerechte Methoden und Materialien nicht zu einer Verteuerung der Baukosten führen. Teilweise sind durch unkonventionelle Methoden sogar erhebliche Einsparungen zu erzielen. Zweifelsfrei aber können durch intensive und gezielte Voruntersuchungen und der Respektierung vorgefundener statischer Systeme und historischer Konstruktionen, also der integralen Substanz - Erhaltung, sowie dem möglichst hohen Anteil an wiederverwendetem Material am meisten Kosten gespart werden. Trotz schlechten Zustandes können die Wiederherstellungskosten und Nutzungsqualitäten durchaus mit Neubauten verglichen werden. Das Denkmal besitzt naturgemäß eigene Beschränkungen, aber vor allem auch nicht reproduzierbare Qualitäten. Zusammenarbeit mit Stadt und Behörden Im Allgemeinen begeistert mich die Aufgeschlossenheit und Zielstrebigkeit der Mitarbeiter von Sanierungsbüro und Denkmalpflege seit 1993 immer wieder, man ist einfach noch nicht so eingefahren. Den Ausspruch "das haben wir schon immer so gemacht" wird man nicht hören, ein unschätzbarer Vorteil gegenüber vielen Städten aus den alten Bundesländern, in denen aus festgefahrenen Strukturen heraus auch schon mal blockiert wird. Dennoch wiederholen sich natürlich auch Fehler. In der Gestaltung von Erdgeschoßebenen tut man sich anscheinend in der gesamten Republik schwer (Denkmalpflege darf nicht im 1. Obergeschoß anfangen!), unsere Nachbarn Schweiz, Frankreich und Italien sind hier einfach weiter. Das Problem hat aber weniger mit den Ansprüchen unserer staatlichen Denkmalpfleger zu tun, als mit unsensiblem Umgang durch Planer und unüberzeugte Bauherrn. Historische Türblätter aufrecht in Containern, um das Fassungsvermögen zu erhöhen, hier tränen auch in Mühlhausen den echten "Altbaufreaks" die Augen. Leider immer noch praktizierter Vollwärmeschutz aus Hartschäumen sollte an Denkmalobjekten strikt untersagt werden ! Insgesamt sehe ich jedoch inhaltlich eine durchaus positive und vielversprechenden Bilanz aus 8 Jahren Stadt"erneuerung". Der Erhaltungswille ist tatsächlich ernst gemeint und geht bis ins Detail. Der Abriß in der Innenstadt ist praktisch tabu! Dies darf allerdings bei Entscheidungsträgern nicht zur Selbstzufriedenheit führen, sondern dazu, sich mit konstruktiver Kritik auseinanderzusetzen, um noch effektiver den Substanzerhalt zu gewährleisten. Zum Beispiel sollte in einer Stadt mit extrem hohen Denkmalbestand auch städtischerseits eine Lagerung und Wiederabgabe historischer Baumaterialien professionell erfolgen (Bsp. Quedlinburg). Es muß um mehr als um schöne Fassaden gehen, der Erhalt des Historischen in seiner materiellen Substanz ist anzustreben ! Substanzerhalt statt Bildschutz muß hier die Forderung auf breiter Ebene lauten, nicht nur in Modellstädten. Stadtbildpflege ist prinzipiell nicht Denkmalpflege !
Mühlhausen, 1999 |